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Warum weniger atmen oft mehr ist

1. Juni 2026·5 Min. Lesezeit·Nils Hammann

Wir haben eine kulturelle Überzeugung, die uns schadet: dass viel atmen gut ist. Dass wir tief einatmen sollen. Dass Sauerstoff das Ziel ist und je mehr desto besser.

Das stimmt nicht. Und der Grund dafür hat einen Namen: der Bohr-Effekt.

Der Bohr-Effekt

CO2 ist kein bloßes Abfallprodukt. Es ist der Mechanismus, durch den Sauerstoff aus dem Blut ins Gewebe gelangt. Wenn du zu viel atmest und zu viel CO2 abatmest, sinkt die CO2-Konzentration in deinem Blut. Das klingt erst mal gut. Ist es aber nicht.

Denn ohne ausreichend CO2 hält das Hämoglobin den Sauerstoff fest. Er kommt nicht ins Gewebe. Du atmest mehr und bekommst paradoxerweise weniger Sauerstoff in die Zellen.

Was chronisches Überatmen anrichtet

Die meisten Menschen hyperventilieren chronisch, ohne es zu merken. Mundatmung. Seufzen. Schweres Atmen in Ruhephasen. Das hält das Nervensystem dauerhaft in leichter Alarmbereitschaft und senkt die CO2-Toleranz über Jahre.

Die Folgen: schlechterer Schlaf, weniger Energie, höheres Stresslevel, schlechtere kognitive Leistung.

Was du sofort tun kannst

Fang mit Nasenatmung an. Konsequent. Auch beim Sport, wenn möglich. Die Nase filtert, befeuchtet und erwärmt die Luft — und verlangsamt automatisch den Atemrhythmus.

Dann: Reduziere die Atemtiefe bewusst in Ruhephasen. Kleiner, leiser, sanfter. Das erhöht die CO2-Toleranz langsam über Zeit.

Der Atem, den du nicht nimmst, ist manchmal der wichtigere.

Nächster Schritt

Theorie ist gut. Erleben ist besser.

Wenn du spüren willst, was du gerade gelesen hast, komm in eine Atemreise oder buche eine Einzelsession.